Die Corona-Pandemie in Argentinien

Reiner Kalmbach, der Pfarrer der Partnergemeinden in Argentinien schreibt zur aktuellen Situation:

Ja, wir haben die „Coronakrise“ im Griff, die Kurve ist hier sehr flach. Die Regierung hat sehr früh die Notbremse gezogen, das Land befindet sich praktisch im Aussnahmezustand. Aber Argentinien könnte sich auch gar keine „europäischen“ Zahlen leisten, das Gesundheitssystem wäre schon am Anfang zusammengebrochen.

Seit Anfang März liegt das Land still, nichts geht mehr. Ausgangssperre! Die Wohnung darf für max. 1 Stunde täglich in einem Umkreis von 500 Metern verlassen werden. Einkauf ist für das nötigste erlaubt. Für Menschen ab 60 ist für den Einkauf ein Zeitfenster von  8:00 – 10:00 Uhr vorgegeben. Die Provinzgrenzen sind geschlossen und streng kontrolliert. Die Fahrt von der einen Kirchengemeinde zur nächsten erfordert 5 Kontrollen, an einer wird Blut abgenommen für den Corona Schnelltest.

Was bedeutet das für ein Land, das schon vor der Coronakrise wirtschaftlich am Boden lag? 50% Inflation, 35% der Bevölkerung arm, 42% der Beschäftigten „informal“, d.h. ohne Sozialversicherung und feste Anstellung. Argentinien rechnet für die nächsten Monate mit einem Anstieg der Armut auf 55%.

Während sich die reicheren Nationen auf eine neue „Normalität“ vorbereiten, nistet sich bei uns die Angst ein: die eigentliche Katastrophe beginnt für uns nach der Coronakrise.

Was geschieht in einer Familie die monatelang keinerlei Einkünfte hat?, von was lebt die Familie eines Maurers der auf „eigene Rechnung“ arbeitet, d.h. ohne Anstellung und seit zwei Monaten nicht aus dem Haus darf…?

Hunger breitet sich aus: Zuerst begann es in den riesigen „villas“ (Armenvierteln) um Buenos Aires. Dann ging es weiter in anderen Ballungsgebieten, wie Córdoba, Rosario, Mendoza. Und jetzt hungern die Menschen in Bariloche und sogar in San Martin de los Andes. In Buenos Aires hat die Regierung die Situation (noch) unter Kontrolle, weil die Armee große Mengen an Lebensmitteln verteilt. In den kleineren Städten sind es meist die Kirchen und nichtstaatlichen Organisationen die sich um die Armen kümmern.

Und da sind auch wir gefragt. Unsere Gemeinden in San Martin de los Andes und in Bariloche organisieren Spendenaktionen: Lebensmittel und Kleidung (der Winter steht vor der Tür) werden gesammelt und in unseren Projekten (z.B. „Gotitas“) abgeliefert. Aber auch unter unseren eigenen Gemeindegliedern wird’s langsam schwierig. Hier in San Martin hat eine Schule in privater Trägerschaft Konkurs angemeldet, davon sind zwei Lehrer direkt betroffen, d.h. sie bekommen ab jetzt kein Gehalt mehr. In einem der Fälle ist es das einzige Einkommen der Familie.

In Allen steht unser Altenheim am Abgrund. Bis jetzt haben wir noch keine Ansteckung im Heim, die Schutzmaßnahmen sind extrem, sowohl beim Personal, als auch bei den alten Menschen. Aber die Preise für Schutzkleidung und Desinfektionsmittel, sollte man sie überhaupt bekommen, sind in unerreichbare Höhen gestiegen. Am selben Tag, als hier im Süden die erste Kältewelle begann, streikte ein Druckregulierer der Haupterdgasleitung. Neun Tage lang war das Heim ohne Gas, d.h. ohne Heizung, ohne heißes Wasser, ohne Gas zum Kochen… Nach tagelangem Suchen gelang es der Heimleitung in der Stadt Bahía Blanca das Ersatzteil zu bekommen. Aber das Ding kostet umgerechnet über 1000 Euro…

Das Heim benötigt außerdem dringend ein geeignetes Fahrzeug für den Transport von Behinderten. Die Ambulanzen der staatlichen Hospitäler sind nur noch für den Transport von Coronapatienten und für Verkehrsunfälle freigegeben.

Konkret und dringend benötigen wir Mittel, um die verschiedenen Projekte und Einrichtungen mit Lebensmitteln und Winterkleidung versorgen zu können. Hier in San Martin stößt man bei der Stadtverwaltung auf taube Ohren und in Bariloche ist die Not so groß, dass sämtliche Initiativen überfordert sind. Deshalb sind gerade Projekte wie Gotitas und Frutillar wichtige Anlaufstellen für hunderte Familien.

Wir wollen uns auf eben diese Projekte konzentrieren. Auch unsere Gemeinde in San Martin wurde konkret von einer Einrichtung die sich um Familien ohne Einkommen kümmert, angefragt.

Unterstützen könnt ihr die Sonder-Spendenaktion Argentinien 2020 vom 09.05.2020 um 12:00Uhr bis zum 21.06.2020 um 12:00 Uhr hier.

… oder ihr überweist die Spende direkt auf das Konto des Evangelischen Jugendwerks

IBAN: DE28 6305 0000 0001 6312 96

BIC: SOLADES1ULM

Mit dem Verwendungszweck: „Sonder-Spendenaktion 2020 Argentinien“

Ihr könnt uns außerdem bei der Aktion unterstützen, indem ihr kräftig die Werbetrommel rührt und diese Mail weiterverteilt. Vielen Dank! Auch im Namen unserer argentinischen Partner

Für Fragen, Anmerkungen und Kritik, wendet euch bitte an folgende Mailadresse:

info@24-stunden-kick.de



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